Wenn es um die Leistungsgesellschaft geht so kann man sie wie folgt beschreiben:
Nicht Geburtsstand oder sonstige soziokulturelle Zuordnungen entscheiden über den Erfolg eines Menschen, sondern allein die Leistung die er erbringt.
Was an sich gut klingt ist leider nicht so gut wie man auf den ersten Blick denkt.
Historisch war das Modell nach der Zeit der gottgleichen, absoluten Herrschafter ein Befreiungsschlag von den alten feudalen Ketten mit ihrer Ständehierachie.
Konnte doch nun jeder, wenn er den Willen und die Ausdauer dazu hatte, werden was er wollte. Angetrieben von den Idealen Adam Smith, der Aufklärung und dem republikanischen Gedanken entstand in den einstigen englischen Kolonien ein Vorbild jener Idee.
Doch wie es so oft mit Vorbildern und Ideen ist, sie haben nicht nur Seiten des Lichts sondern auch Seiten des Schattens.
An die Stelle der Ständehierachie traten nun die Schichthierachie. Statt des blaublütigen Adels gab nun die Finanzaristokratie den Ton an.
Dank der revolutionären Bewegungen des 19. und 20. Jahrhunderts in den Bereichen Kinderarbeit, Arbeitsrecht, Arbeitsschutz und Frauenrechte wurden viele Auswüchse der Leistungsideologie abgemildert oder gar unterbunden.
Dennoch aber zeigt sich auch heute, dass die Ideologie der Leistungsgesellschaft eine Wunschvorstellung ist, die nicht realisierbar ist.
Eine Leistungsgesellschaft schafft keine Chancengleichheit auf dem Arbeitsmarkt oder im Wettbewerb und sie fördert auch kein menschenwürdiges Leben. Sie setzt allein auf Kampf oder besser gesagt, sie setzt auf den darwinistischen Überlebenskampf des Stärkeren innerhalb der smithschen Wirtschaftsordnung.
Um es deutlich zu machen woran die Leistungsideologie krankt, hier ein paar Punkte.
Fange wir ganz vorne im Leben eines Menschen an.
Schon unsere Gene haben eine geringe Auswirkung auf unsere Leistungsfähigkeit im Leben. Doch noch größer und bedeutender ist das soziale Umfeld in das wir geboren werden.
Kinder die armen Verhältnisse hinein geboren werden müssen vom Beginn ihres Lebens an kämpfen und nur die aller wenigsten von ihnen schaffen im Leben aus eigener Kraft eine soziale Verbesserung.
Doch auch wenn jemand einen besseren Lebensstart erhält als andere, so bedeutet dies nicht, dass er auch eine bessere Zukunft genießen wird.
Das Verhalten unserer Umwelt, also unserer Familie, unserer Freunde, Bekannten, Mitschüler und Lehrer prägen uns für unser weiteres Leben. Manche vermitteln uns positive Eigenschaften, andere wiederum beeinflussen uns direkt oder auch indirekt negativ.
Selbst wenn wir es bisher ohne Probleme geschafft haben und einen guten Schulabschluss in der Tasche haben, so kann ein Unfall, gar eine Krankheit, uns aus der Lebensbahn werfen. Alles positive ist dann mit einem mal weg.
Auch Gesetze, Gesellschaftliche Strukturen, die vorherrschende Moralethik, der Einfluss von Glaubensvorstellungen innerhalb der Gesellschaft oder des Umfeldes, selbst die Ambitionen und Vitamin B's der anderen können unsere Leistungsfähigkeit beeinflussen.
Unser Leben ist keine gerade Linie, es ist auch nicht eindimensional, sondern es ist so vielschichtig wie die Erde selbst.
Die Apologeten der Leistungsgesellschaft und der smithschen Marktwirtschaft übersehen dies oft. Ob sie es nun absichtlich tun oder weil sie einfach schlicht und weg nicht das nötige Wissens. Manch mal kommt es einem sogar vor, als wären in ihrer Religion Menschlichkeit, Mitgefühl, Chancengleichheit und Gerechtigkeit Sünden, welch zu bekämpfen sein.
Doch gerade das was uns nun einmal unterscheidet, unser genetisch-biologischen und unsere sozio-kulturellen Identitäten, sollte nicht unsere Geburtsrecht auf ein menschenwürdiges Leben verwehren.
Daher sollte die Ideologie der Leistungsgesellschaft und somit die smithsche Marktwirtschaft durch eine sozialere, menschenwürdigere Gesellschafts- und Wirtschaftsordnung ersetzt werden.
Der Ganzheitliche Marktwirtschaft und der solidarisch-individualistischen Gesellschaft.
Eine solche Gesellschaft soll den Einzelnen Raum zur freien Entfaltung und die Chance zur Erfüllung seiner Träume gewähren und sogleich ihn, durch das Netz der Solidarität, vor einem menschenunwürdigen Leben bewahren.
Eine solche Gesellschaft setzt nicht auf Anspornelemente, sondern auf die Kraft des individualistischen Entdeckergeistes.
Nicht Zuckerbrot und Peitsche, sondern Sicherheit und Freiheit sind ihre Kernelemente.
Ein Mensch der keinen Hunger kennt, der kennt auch keine Angst. Ein Mensch der Abends unbeschwert zu Bett geht, der wacht auch morgens unbeschwert auf.
Um dies zu erreichen müssen wir zu erst anerkennen, dass kein Mensch gleich ist, aber jeder Mensch die gleichen Rechte und Pflichten besitzt. Wir müssen uns von den sozialistischen Doktrinen der Erhabenheit einzelner über andere lossagen.
Dafür müssen wir, allen Menschen materielle und immaterielle Güter und Rechte zur Gewährung eines menschenwürdigen Lebens unentgeltlich zur Verfügung stellen.
Wir brauchen auch ein Steuer- und Sozialversicherungssystem welche alle zur Verantwortung zieht und nicht die starken schont und die schwachen schröpft.
Wir brauchen ein Bildungs- und Gesundheitssystem welches nicht auf den Geldbeutel der Menschen schaut, sondern jedem die höchstmögliche Versorgung garantiert.
Wir brauchen eine Außen- und Wirtschaftspolitik die nicht auf den Vorteil des eigenen Landes schaut, sondern sich dafür einsetzt, dass alle Menschen die bestmöglichsten Chancen haben.
Doch eine solche Gesellschaft schaut nicht allein auf die die heute leben, sondern sie schaut auch auf die kommenden Generationen und sorgt dafür, dass ihr Recht auf ein menschenwürdiges Leben nicht dem kurzfristigen Profit geopfert wird.
Ja eine solidarisch-individualistische Gesellschaft welche jedem den Freiraum seiner eigenen Entfaltung ermöglicht und ihn ein menschenwürdiges Leben garantiert ist teuer.
Es ist teuer für gerade jene die sich durch Ausbeutung, Steueroptimierungen, Politikbeeinflussung und anderen asozialen Maßnahmen bereichern.
Sie ist teuer, weil jene die heute von der Leistung anderer profitieren ohne selbst etwas zu leisten zur Kasse gebeten werden.
Sie ist teuer, weil sie jede Form von Ausbeutung; ob durch Werk-, Leih- oder Praktikantenverträge, ob durch erpresserischen Freihandelsabkommen oder Dumpinglohnverträge; kriminalisiert und konsequent verfolgt.
Sie ist teuer, weil sie den Menschen und seine Rechte in den Vordergrund stellt.

Kommentar schreiben